Hinweise: Brände durch Heuselbstentzündung vermeiden

Wie in den Vorjahren auch, wird auf die Gefahren bei der Heuselbstentzündung hingewiesen. Mit der Heueinlagerung beginnt die Gefahr der Brandentstehung durch Selbstentzündung.

Nachstehend sechs wertvolle Tipps, deren Beachtung eine Selbstverständlichkeit sein sollte:

• Heu trocken und bei trockenem Wetter (nach dem Tau) einfahren. Die Scheune muss regendicht und das Heu vor Erdfeuchte sicher sein.

• Heu gleichmäßig und waagerecht verteilen, besonders beim Einsatz von Höhenförderern 
o und Heugebläsen. Druckzonen vermeiden.

• Die Heustapel so anlegen, dass überall mit dem Heuthermometer (Heumesssonde) gemessen werden kann.

• Es wird empfohlen, spätestens am 5. Tag nach Beginn der Einlagerung die Temperatur des Heustapels mit der Heumesssonde an 6 bis 10 Punkten prüfen.

• Dabei gilt:
bis     45° C    keine Gefahr
45  -  60° C    bedenklich
60  -  70° C    brandgefährlich (täglich messen!)
über  70° C    sofort Feuerwehr rufen!

Temperaturmessungen sind in den ersten 4 Wochen in Abständen von max. 3 Tagen zu wiederholen. Danach ist einmal in der Woche zu messen.

Bei verdächtigen Anzeichen (Wasserdampf, Geruch nach frischen Brot, Einsenkungen, o. ä.) sofort messen.

Alle Feuerwehren sind mit Messsonden ausgerüstet und führen auf Anforderung die notwendigen Messungen durch.
Anliegend noch einige eingehende Erläuterungen zur Heueinlagerung und Gefahr der Selbstentzündung.

 


Brände durch Heuselbstentzündung (Erläuterungen)

Heubrände entstehen in jeder Saison!

Durch moderne Methoden in der Landwirtschaft werden die Erträge gesteigert. Dabei darf die Sicherheit jedoch nicht vernachlässigt werden.

Eingelagerte Heuvorräte müssen ständig überwacht und regelmäßig mit dem Heuthermometer gemessen werden.

Einlagerung:

Das Heu ist sorgfältig getrocknet einzufahren. Der Wassergehalt darf nicht über 20 % liegen.

Bei höherem Wassergehalt sowie bei ungleichmäßig getrocknetem Heu besteht die Gefahr der Selbsterhitzung. Futterwerte gehen verloren! Es kommt schließlich zum Brand.

Daher:
1) nur bei trockenem Wetter nach dem Tau einfahren.
2) Wird das Heu gestapelt – sei es mit Heuaufzug, Transportband, Gebläse oder Forke – stets für gleichmäßige und möglichst waagerechte Verteilung sorgen.
3) Die Stapel so anlegen, dass alle Punkte mit dem Heuthermometer gemessen werden können.
4) Heu nur in regendichte Scheunen einfahren.
5) So lagern, dass die Erdfeuchte nicht in den Stapel eindringen kann.


Überwachung:

Zur Kontrolle des Heustapels genügt es nicht, mit der bloßen Hand ins Heu zu fassen oder die Temperatur mit einer einfachen Eisenstange zu messen.

Es muss mit dem Heuthermometer gemessen werden.

Nur hierdurch lassen sich die Gefahren im Heu erkennen, da äußere Merkmale einer Erhitzung wie z. B. Dampf, aromatischer Geruch oder Einsinken der Oberfläche fehlen können.

Mit den Messungen muss gleich nach der ersten Einlagerung begonnen werden, und zwar in den ersten 4 Wochen in Abständen von 2 – 3 Tagen, danach mindestens einmal in der Woche.

Wird der Stapel nachträglich erhöht, ergeben sich andere Druckverhältnisse. Auch das zuerst eingefahrene Heu muss dann wieder wie bei der ersten Einlagerung mit gemessen werden.

Temperaturen:

Bis 45°C                    45 - 60 °C                 60 - 70°C                 über 70°

Ungefährlich               bedenklich                 brandgefährlich                     Brandgefahr

Erreicht das Heu 60° C, ist täglich zu messen!

Über 70 ° C: Feuerwehr anrufen!

Diese entscheidet dann über die notwendigen Maßnahmen.

Mit steigenden Temperaturen nehmen nicht nur die Brandgefahren, sondern auch die Verluste an verdaulichen Nährstoffen zu. Diese steigen bei 70° C auf 80 – 90 % und nehmen bei längerer Dauer der Erhitzung noch zu.

Unterdachtrocknung:

Den Brandgefahren und Nährstoffverlusten kann der Landwirt durch Einbau einer ordnungs-gemäßen Unterdachtrocknungsanlage begegnen.

Hierbei ist zu beachten:

1) Eine Vertrocknung im Freien bis 35 % Wassergehalt ist unbedingt notwendig.
2) Die Heulüfter müssen von der DLG geprüft und die Motorleistungen auf die einzulagernden Mengen Heu abgestimmt sein.
3) Sofort nach der Einlagerung mit der Belüftung beginnen.
4) Heustapel müssen untereinander und von Wänden 25 cm Abstand haben.
5) Für ausreichende Belüftung durch genügend Stöpsel ist zu sorgen. Diese müssen stets senkrecht hochgezogen werden.
6) Belüftungszeiten:       Bei Einlagerung:         24 Stunden lüften.     Danach
1. Monat                     bei trockenem Wetter           9 – 10 Std. pro Tag  (Trocknung)
                                   bei nassem Wetter    3 – 4   Std. pro Tag  (nur Kühlung)
2. Monat                     Jeden 2. Tag              9 – 10 Std. pro Tag  (Trocknung)

Entweicht dem Heustapel etwa 50 Minuten nach dem Anlaufen noch warme Luft, so ist das Heu noch nicht genügend getrocknet. Die Belüftung muss fortgesetzt werden.

Diese Kontrolle allein reicht jedoch nicht aus!

Zur Überwachung gehört das Messen mit einem genügend langen Heuthermometer.

Mit dem Hygrometer wird die relative Luftfeuchtigkeit der Außenluft gemessen.

Anhalt: Außenluft unter 80° relative Luftfeuchtigkeit für Trocknung geeignet.
           Außenluft über  80° relative Luftfeuchtigkeit nur zum Kühlen geeignet.

Pressheu:

Wird Heu gepresst, so gilt

bei Niederdruckballen:
Trocknung, Einfahren, Lagerung und Belüftung wie bei losem Heu

Bei Hochdruckballen:
1) Das Heu muss gleichmäßig bis auf 20 % Wassergehalt im Freien vorgetrocknet sein. Nur so kann nach dem Pressen gleich eingefahren werden.
2) Bei höherem Wassergehalt müssen die Ballen längere Zeit draußen nachgetrocknet werden, z. B. immer zwei gegeneinander gestellt in der sogenannten Puppenaufstellung.
3) Der Heuaufnehmer der Presse muss so eingestellt sein, dass keine Erde und kein Gras mit aufgenommen werden.
4) In der Scheune sind die Ballen in genügendem Abstand voneinander so zu stapeln, dass ein Wärmeabfluss möglich ist.
5) Für eine Unterdachtrocknung sind Hochdruckballen nicht geeignet.
6) Die Stapel müssen mit dem Heuthermometer kontrolliert werden.


 
Hier noch einmal die Temperatur- und Gefahrbereiche für Heuselbstentzündung in der Übersicht:

Temperatur in °C      Vorgang                                 Maßnahmen

Bis 45                         normale Gärung                    keine Maßnahmen erforderlich

45 bis 55                    noch zulässige                      erhöhte Aufmerksamkeit, Stapel mit Heu-
                                   Überhitzung                           sonde alle acht Sunden kontrollieren

55 bis 60                    Übergärung,                          G e f a h r!
                                   Beginnende Nähr-                 Stapel mit Sonde alle zwei Stunden
                                   Wertverluste                          kontrollieren, gefährdete Stellen
                                                                                  freilegen.

60 bis 70                    erhebliche Übergärung,        B r a n d g e f a h r!
                                   Braunheubildung                   Feuerwehr rufen, bei unter Druck stehendem
                                                                                  Strahlrohr 1,5 m breiten Gang zum Hitzenest
                                                                                  vortreiben.

70 bis 90                    starke Übergärung,               H o h e    B r a n d g e f a h r!
                                   Heu zu Futterzwecken          Da spontaner Brandausbruch möglich, unter
                                   nicht mehr verwendbar         Vornahme von Strahlrohren Stapel schicht-
                                                                                  Weise abtagen. Abgetragenes Heu wegen
                                                                                  der Entzündungsgefahr in genügendem
                                                                                  Abstand zu Gebäuden im Freien lagern.

Über 90                      Gasbildung, starke                Ä u ß e r s t e   B r a n d g e f a h r!
                                   exotherme Prozesse            größte Vorsicht beim Abräumen, mehrere
                                                                                  Rohre in Bereitschaft