Erstmals hat sich in der vergangenen Woche in Emden der Runde Tisch „Schule und Sicherheit“ zu einem gemeinsamen Austausch getroffen. Vertreterinnen und Vertreter der Emder Schulleitungen, der Schülervertretungen, des Kommunalen Präventionsrates, der Elternvertretungen, der Polizei sowie des Fachbereiches Jugend, Schule und Sport kamen zusammen, um über aktuelle Herausforderungen im Schulalltag und mögliche Wege zur Stärkung von Sicherheit und Zusammenhalt zu sprechen. Anlass waren die jüngsten öffentlichen Hinweise und Diskussionen zu möglichen Gewaltvorkommnissen im schulischen Umfeld.
Ziel des Treffens ist es, einen verlässlichen Informations und Erfahrungsaustausch zu etablieren, bestehende Abläufe zu reflektieren und Rollen sowie Zuständigkeiten klarer zu beschreiben, damit Handlungsbedarfe frühzeitig erkannt werden können.
Im Zentrum der Gespräche stand die Frage, wie Prävention und frühzeitige Unterstützung so gestaltet werden können, dass Konflikte bereits im Entstehen erkannt und nicht erst im Nachhinein aufwendig bearbeitet werden müssen. Dabei herrschte Einigkeit darüber, dass Schülerinnen und Schüler stärker in Präventionsarbeit und Konfliktlösungen eingebunden werden sollten: Durch Beteiligung entstünde Verantwortungsbewusstsein, gemeinsame Lösungswege könnten frühzeitig entwickelt und das Gemeinschaftsgefühl an den Schulen gestärkt werden. Die Polizei wies darauf hin, dass die Zahl der Anzeigen aus dem schulischen Umfeld in den vergangenen Jahren nicht gestiegen sei; zugleich betonten die Teilnehmenden, dass von einer gewissen Dunkelziffer auszugehen sei. Vorfälle sollten deshalb konsequent angezeigt werden, damit sie nachvollzogen und gegebenenfalls verfolgt werden können.
Die Diskussion machte deutlich, dass gesellschaftliche Veränderungen zunehmend im Schulalltag sichtbar werden. Problematische Kommunikationsformen, Orientierungslosigkeit bei jungen Menschen und teilweise auch in Familien, ein nachlassender respektvoller Umgang sowie wachsende psychische Belastungen wurden als prägende Faktoren genannt. Hinzu kommen steigender Leistungsdruck, fehlende Stabilität nach der Corona Zeit und die Auswirkungen dauerhafter digitaler Kommunikation. Diese Entwicklungen seien zwar gesamtgesellschaftlich bedingt, würden sich in Schulen jedoch besonders deutlich zeigen und den Alltag aller Beteiligten spürbar beeinflussen.
Gleichzeitig wurde betont, dass Schule in erster Linie einen Bildungsauftrag hat und gesellschaftliche Entwicklungen nicht allein lösen kann. Wertevermittlung, Respekt und soziale Orientierung seien Aufgaben, die nur im Zusammenspiel von Elternhaus, Schule, Jugendhilfe und Gesellschaft gelingen können.
Besonders hervorgehoben wurde der Einfluss sozialer Medien: Schnelllebige Inhalte, Selbstdarstellung und fehlende Einordnung veränderten Wahrnehmungen und Erwartungen junger Menschen und trügen so zu Konflikten bei. Inhalte verbreiten sich in sozialen Netzwerken oft ungeprüft und ohne Kontext, was Konflikte verschärfen und Belastungen erzeugen kann, die weit über den Schulalltag hinausreichen. Vor diesem Hintergrund wurden Medienkompetenz, Präventionsarbeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Kommunikationsformen als zentrale Bausteine einer nachhaltigen Strategie hervorgehoben.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Vermischung von privaten und schulischen Konflikten. Häufig würden Auseinandersetzungen aus dem Freizeitbereich in die Schule hineingetragen und dort ausgetragen, was Lehrkräfte und Schulgemeinschaften vor zusätzliche Herausforderungen stelle.
Für das nächste Treffen wurde vereinbart, eine gemeinsame Übersicht zu erarbeiten, die Eltern und Erziehungsberechtigten in belastenden Situationen schnell die richtigen Ansprechpartner und Unterstützungsangebote aufzeigt. Ziel ist es, verbindliche Kooperations und Kommunikationswege zwischen Schulen, Elternhaus, Jugendhilfe, Verwaltung und Polizei zu definieren, damit im Bedarfsfall zügig und abgestimmt gehandelt werden kann.
Alle Beteiligten unterstrichen die Bedeutung eines kontinuierlichen, offenen Dialogs; der Runde Tisch soll künftig regelmäßig tagen und als Forum dienen, um Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen, Erfahrungen auszutauschen und konkrete Maßnahmen abzustimmen. Der Auftakt wurde als konstruktiv bewertet und als wichtiges Signal für die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten für sichere und unterstützende Schulen in Emden gewertet.