Emden - Reformationsstadt Europas

Ausstellung "Martyrium und Protestantismus"

"Die Wahrheit ist untödlich – Martyrium und Protestantismus", lautete der Titel einer gemeinschaftlichen Ausstellung, die die Johannes a Lasco Bibliothek, das Ostfriesische Landesmuseum Emden und die Mennonitengemeinde Emden/Norden in Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg vom 26. Juli bis zum 31. Oktober 2014 präsentierten. Auftakt war ein internationales Symposium in der a Johannes Lasco Bibliothek am 25. und 26. Juli 2014.

Die Gattung des Märtyrerbuches stand im Fokus der Ausstellung „Die Wahrheit ist untödlich – Martyrium und Protestantismus“ in der Johannes a Lasco Bibliothek. Es handelt sich dabei um Bücher, die von der Blutzeugenschaft verfolgter Christen berichten und in verschiedenen Ländern und Konfessionen erschienen sind. In Emden wurden zwei Ausgaben publiziert und haben weite Verbreitung gefunden; es sind dies die „Historie der Martelaren“ von Adriaan van Haemstede (1559) und die Liedsammlung „Het offer des Heeren“ (1561/62). Die Exponate, die in den Kabinetten der Johannes a Lasco Bibliothek gezeigt wurden, stammen aus dem eigenen Fundus, aus Archiven und Bibliotheken inner- und außerhalb Ostfrieslands sowie unter anderem aus der Universitätsbibliothek VU Amsterdam und aus dem Tresoar in Leeuwarden.

Das Ostfriesische Landesmuseum Emden zeigte in einem Teilbereich der Rüstkammer unter anderem Schriftstücke, welche die Täufer-Verfolgungen im 16. Jahrhundert dokumentieren – darunter sind Dokumente, die auf Reichsebene verabschiedet wurden, aber auch die Emder Polizeiordnung von 1545, die Gräfin Anna erließ. Ebenso waren einige Folterwerkzeuge aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zu sehen, die seinerzeit in den sogenannten „Peinlichen Verhören“ durch Scharfrichter zum Einsatz kamen. Ein Emder Ausstellungsstück: Ein Richtschwert aus den Beständen des Ostfriesischen Landesmuseums.

In der Emder Mennonitenkirche wurden Biographien von Märtyrern vorgestellt, die von Studenten der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg anschaulich ausgearbeitet worden sind. Die dargestellten Märtyrer wiesen allesamt Bezüge zu Ostfriesland auf.

Broschüre zur Ausstellung

Begleitend zur Ausstellung ist eine aufwändig illustrierte Publikation mit dem Titel „Die Wahrheit ist untödlich – Martyrium und Protestantismus“ erschienen. Textlich fundiert und anschaulich wird darin die Verfolgung Andersgläubiger im 16. Jahrhundert dargelegt - vor allem die Verfolgung der Täufer, die sowohl durch katholische als auch protestantische Obrigkeiten praktiziert wurde.
Die Täuferbewegung hatte in jener Zeit einen besonderen Stellenwert in Emden und Ostfriesland – nicht zuletzt deshalb, weil hierzulande eine konfessionelle Freiheit und Toleranz gelebt wurde, die als beispielhaft zu gelten hat. In den Niederlanden indes wurden die Täufer rücksichtlos verfolgt und bestraft – dort fanden letztlich auch ostfriesische Wiedertäufer den Tod. Ihre Schicksale stellt diese Begleitpublikation vor, die zugleich die Reichserlasse gegen die Täufer thematisiert und unter anderem die Rolle des Scharfrichters in jener Zeit der Reformation dokumentiert.
Die Broschüre ist für drei Euro im KUNST-Shop des Ostfriesischen Landesmuseums und in der Johannes a Lasco Bibliothek erhältlich.