Bestände und Dokumente

Was erwartet Sie?

Das Stadtarchiv Emden umfaßt gegenwärtig ca. 1.600 lfd. Meter Archivgut aus der Zeit vom 15. bis zum 20. Jahrhundert.

In Pergament- und Papierurkunden, Handschriften, Inkunabeln, Akten, Amtsbüchern, Karten und Plänen sowie einer umfangreichen Bibliothek wird homogen und weitgehend lückenlos die Geschichte der älteren und jüngeren städtischen und bürgerschaftlichen Gremien und Organe (Bürgermeister und Rat, Vierziger, Kämmerei mit allen Sparten der Finanz- und Zollverwaltung, frühe Fachbehörden und spätere Ämter) dokumentiert.

Archive, die in ihrer Vollständigkeit, Breite und Dichte alle Bereiche der politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen, kirchlichen und sozialen Geschichte ihrer Kommune dokumentieren, sind selten, und das Stadtarchiv Emden stellt in seiner komplexen Überlieferung eine dieser seltenen Ausnahmen dar.

 

Gliederung und Laufzeiten der Registraturen des Stadtarchivs Emden

I. Registratur: 1424-1744(1749) 
II. Registratur: 1744-1806 
III. Registratur: (1815)1817-1866 
IV. Registratur: 1867-1918 
V. Registratur: 1919-1939 
Municipal-Registratur: 1806-1819 
Kämmerei: 1500-1856
Protokoll-Registratur: 1501-1920 
Zeitungen: 1747-laufend 
Urkunden: 1248-1906

Das digitale Findebuch der ersten Registratur finden Sie hier:
Archivportal Niedersachsen

Karte der Bonnesse von 1604

Karte der Bonnesse von 1604 (Durch Klick vergrößern.)

Mit dem Haagischen Vergleich endete 1603 der offene Krieg zwischen der Stadt Emden und dem Grafen Enno III. Der Graf hatte eine schwere Niederlage gegen die Stadt Emden und ihren niederländischen Verbündeten einstecken müssen. Zwar billigte der Friedensvertrag von Den Haag dem ostfriesischen Grafenhaus weiterhin die Rolle eines Landesherrn zu, doch war sie nur noch die Hülle einer tatsächlichen Macht. De Fakto erhielt Emden eine weitgehende Unabhängigkeit.

In Emden gingen die Stadtoberen davon aus, dass der Graf bald eine Revision anstreben würde. Für diesen Fall mussten die Emder gewappnet sein. Deshalb begann eine zehnjährige Ausbauphase der Stadtbefestigung. Zur Vorarbeit wurden Karten angefertigt, um die Lage der neuen Werke festzulegen und um die Entschädigungssumme für die vom Wallbau betroffenen Grundstücksbesitzer zu bestimmen.

In der Ersten Registratur des Stadtarchivs befindet sich die Situationskarte der Bonnesse. Bei der Bonnesse handelt sich um eine Reihe Parzellen die im Norden von der Mühlenstraße und im Süden von der Lienbahnstraße begrenzt wird. Abgebildet ist am Ende der Kranstraße ein hölzerner Kran, der ihr Namensgeber ist. Die Situationskarte kann unten abgeklappt werden. So schuf der Zeichner den Raum für verschiedene Maßangaben, betr. Fläche und Abmessungen der Parzellen, die als „Warften“ bezeichnet werden. Über Häuser oder einer sonstigen Bebauung enthält die Karte keine Angaben. In der linken Ecke des Situationsplans findet der Betrachter die „Halle“, in der nach Emden einkommende Textilwaren verhandelt wurden. Sie befand sich direkt neben dem Falderntor (Valler-Poerte).

Dem Zeichner der Karte, Johannes Diurcken, ging es nicht um eine detaillierte Aufnahme der Bonnesse. Er hob in seiner Karte die Parzellen hervor, die durch das Abgraben („Spitten“) von Erde zur Anlage der verstärkten Stadtbefestigung beschädigt wurden. Als Produkt schuf er nebenher eine Ansicht des südöstlichen Teils von Emden. Dadurch gewinnt diese Karte ihren historischen Wert.

Dr. Rolf Uphoff