Zeitzeugen berichten auf dem Schepken Christi in Emden

21.07.2017

Achtung vom 13. - 17.07.2017 ist das Schepken Christi nicht an seinem Liegeplatz und die Austellung somit nicht zu besichtigen.

Wer an die Reformation erinnert, muss auch an die Migration erinnern, sagt Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Auf dem "Schepken Christi" erzählen Zeitzeugen aus acht Jahrzehnten in Videos von ihrer Flucht. Sie stehen für weltweit 65 Millionen Flüchtlinge.

Mit der Videoausstellung an Bord des historischen Segelschiffes erinnert die Evangelisch-reformierte Kirche im Emder Hafen an Flüchtlinge weltweit. Die Schau mit Zeitzeugen-Interviews über Fluchtgeschichten aus den vergangenen acht Jahrzehnten mache deutlich, "dass Flüchtlinge schon immer unter uns gelebt haben und die Integration geflüchteter Menschen zu unserer Kultur gehört", sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher bei der Eröffnung auf der Seetjalk "Anne".

Das Schiff mit dem Projektnamen "Schepken Christi" liegt bis Ende August im Emder Ratsdelft. In achtminütigen Filmen berichten Menschen von ihrer persönlichen Fluchtgeschichte. Darunter sind Vertriebene aus Schlesien, Flüchtlinge, die 1956 nach dem Aufstand ihre Heimat Ungarn verlassen mussten, Boatpeople aus Vietnam, verfolgte Bosnier, Russlanddeutsche, eine Jesidin und ein Syrer, der über das Mittelmeer geflohen ist.

Unter den Monitoren sind in Glasvitrinen persönliche Erinnerungsstücke der Geflüchteten zu sehen. Etwa Musikkassetten und ein Poesiealbum, die eine jugendliche Bosnierin nicht zurücklassen wollte oder ein Krug aus Schlesien, in dem Flüchtlinge Schmalz transportierten. Die Gebetskette seiner Mutter ist das einzige Erinnerungsstück des Syrers Muaffak. Eine andere Frau schleppte als Spätaussiedlerin zwei schwere gusseiserne Waffel-Eisen aus Kasachstan nach Deutschland.

Heimbucher zeigte sich unter dem Eindruck der Berichte tief bewegt. Es sei wichtig, die Menschen ihre Geschichte erzählen zu lassen. "Viel zu lange wurde von Flüchtlingen verlangt, zu arbeiten, sich anzupassen und zu schweigen. Hier kommen sie endlich zu Wort." Die Berichte zeigten auch, "dass aus Fremden Nachbarn und Freunde werden können". Der Theologe dankte den Menschen für ihre Bereitschaft, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. "Sie stehen stellvertretend für die derzeit 65 Millionen Flüchtlinge weltweit."

Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) erinnerte daran, dass die Stadt im 16. Jahrhundert Tausende Flüchtlinge aufgenommen habe und dabei ihre Blütezeit erlebte. Migranten seien bis heute "ein sichtbarer und unverzichtbarer Teil der Stadt". (epd)

Wo?

Am Delft

Eintritt

frei

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