Gesundheitsamt - Neues Gerät für Schnelltests

Als das bundesweit erste kommunale Gesundheitsamt, erhielt die Stadt Emden Ende April mit dem "Bosch Vivalytic" ein neuentwickeltes Gerät zum Schnelltest unter anderem auf Corona-Viren. Bereits im Februar hatte die Stadt Emden entschieden, eine innovative Neuentwicklung zur Vor-Ort-Testung auf das Virus „SARS-COV-2“ (Corona Virus) anzuschaffen.

Ein Erfahrungsbericht der ersten beiden Betriebswochen:
Es ist eine universelle Plattform für patientennahe Labordiagnostik, mit der verschiedene Labortests schnell und vollautomatisiert durchgeführt werden können. Im Gerät erfolgt ein direkter Nachweis der Erbinformation verschiedener Infektionserreger (molekulare Infektionsdiagnostik). Das Nachweisverfahren ist also nicht zu verwechseln mit Antikörper-Schnelltests, die derzeit angeboten werden und noch keine ausreichende Zuverlässigkeit aufweisen. Die Plattform vereint ein breites Spektrum an Tests mit unterschiedlicher Anzahl klinisch relevanter Parameter in einem Gerät, d. h. in einer Testung wird beispielsweise auf die zehn häufigsten viralen Erreger von Atemwegserkrankungen in derselben Patientenprobe getestet. „Damit können wir nach nur 2,5 Stunden verlässlich nachweisen, ob eine Person beispielsweise Corona positiv oder beispielsweise an Influenza erkrankt ist“, erläutert Dr. Dirk Obes, stellvertretender ärztlicher Leiter des Emden Gesundheitsamtes das Gerät.

„Bosch Vivalytic“ ist intuitiv zu bedienen, so dass die Bedienung ohne Labor-Fachpersonal durchgeführt werden kann. Die Schulung der Mitarbeiter*innen des Gesundheitsamtes erfolgte per Videoschulung.

Die Probe wird mittels Abstrichtupfer aus Nase oder Rachen entnommen und ohne aufwändige Aufbereitung in die Kartusche gegeben. Anschließend wird die Kartusche, die bereits sämtliche für den Testlauf erforderlichen Reagenzien enthält, vollautomatisch getestet. Da jede Kartusche ein für sich geschlossenes System darstellt, ist die Infektionsgefahr beim Handling minimiert. Eine Zuordnung der Probe erfolgt mittels QR-Code an der Probe und der Testkartusche, die bei der Testung vom Gerät gescannt werden.

„Die Kosten der Tests werden derzeit noch nicht von den Krankenkassen übernommen und eine Testung ist auch beinahe doppelt so teuer, wie über ein Labor“, so Dr. Obes. Auch sind die Kapazitäten sehr begrenzt, denn das Gerät kann in 2,5 Stunden nur einen Test verarbeiten. Allerdings werden während dieses Zeitraums parallel mehrere unterschiedliche Infektionserreger getestet. Der stellvertretende Ärztliche Leiter führt weiter aus: „Der Vorteil liegt darin, dass wir in kritischen Verdachtsfällen, wie beispielsweise bei Beschäftigten in Pflegeheimen, sehr schnell ein Ergebnis haben und sofort Schutzmaßnehmen einleiten können oder aber schnell Entwarnung geben können.“ Mitarbeiter*innen der Stadt Emden waren in der Vergangenheit teilweise mit dem Auto in das Labor nach Hannover gefahren, um bei kritischen Fallkonstellationen schnell ein Testergebnis zu bekommen. Die reguläre Testung dauert im Schnitt 48 Stunden.

Das Gerät hat einen Anschaffungspreis von brutto ca. 29.000 €. Es ist über unterschiedliche Testkartuschen auch für die Analyse weiterer Infektionen nutzbar. So kann beispielsweise ein Test Auskunft über bis zu zehn sexuell übertragbare Infektionen geben. Die Testmöglichkeiten werden noch erweitert, so dass perspektivisch unter anderem auch ein Test auf Noroviren möglich ist. „Für die Stadt Emden ist das eine dauerhaft lohnende Investition in den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und ich freue mich, dass wir damit zu den bundesweiten Vorreitern gehören“, freut sich Oberbürgermeister Tim Kruithoff. „Kaum einer merkt gerade, welche herausragende Arbeit die Mitarbeiter*innen des öffentlichen Gesundheitsdienstes leisten. Wir sind ihnen allen zu großem Dank verpflichtet“, lobt der Oberbürgermeister.