In Emden sind die ersten Fälle von Hasenmyxomatose mit großer Wahrscheinlichkeit aufgetreten. Die ersten Funde und Meldungen stammen von der Emder Jägerschaft. In den vergangenen Tagen wurden mehrere tote Hasen mit den typischen Krankheitsmerkmalen – darunter stark geschwollene und entzündete Augen – festgestellt. Zudem wurden apathische, schwer erkrankte Tiere gefunden. Eine 100-prozentige Gewissheit über die Erkrankung wird durch die noch laufenden Untersuchungen im Veterinäramt Aurich, das für die Stadt Emden zuständig ist, erbracht.
Aktuelle Situation
Seit Mitte August 2024 treten vermehrt Fälle von Hasenmyxomatose in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf, seit Juli dieses Jahres ist auch Schleswig-Holstein betroffen. Verursacher der Krankheit ist das Myxomavirus aus der Familie der Pockenviren. Übertragen wird es durch Stechinsekten wie Mücken und Flöhe sowie durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Bislang galt die Erkrankung als kaninchenspezifisch und wurde nur vereinzelt bei Feldhasen nachgewiesen.
Die Inkubationszeit beträgt nur wenige Tage, die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 80 Prozent. Typische Symptome sind stark eingeschränktes Fluchtverhalten, Apathie, blutunterlaufene und eitrig entzündete Augen sowie Schwellungen im Genitalbereich.
Hinweise für die Bevölkerung
Die Bevölkerung wird gebeten, keine Hasen anzufassen oder mitzunehmen. Für die Bergung von Wildtieren sind die zuständigen Revierinhaber verantwortlich. Hundehalter sollten ihre Tiere an der Leine führen und vom Wild fernhalten.
Empfehlungen der Stadt Emden:
Um die Ausbreitung der Myxomatose einzudämmen, bittet wir:
- Sichtbar schwer kranke Tiere dürfen auch außerhalb der regulären Jagdzeit im Rahmen von Hegeabschüssen entnommen werden, um unnötiges Leid zu verhindern.
- Verendete Tiere sollten zur Untersuchung dem zuständigen Veterinäramt zugeführt oder ordnungsgemäß beseitigt werden. Kadaver dürfen keinesfalls offen im Revier verbleiben oder auf Luderplätze verbracht werden.
- Gründliche Reinigung und Desinfektion von Kleidung, Schuhwerk und Jagdausrüstung nach Aufenthalten in betroffenen Gebieten ist zwingend erforderlich, um eine Verschleppung des Virus zu vermeiden.
- In Revieren mit Fallwild sollte auf Hasenjagden verzichtet werden. Treibjagden in Revieren mit Fasanenbesatz sollten mindestens vier Wochen nach dem letzten Auftreten von Myxomatose ruhen, um zusätzliche Beunruhigungen zu vermeiden.
- Hundearbeit am Hasen und die Weitergabe von Schleppenwild aus betroffenen Gebieten sind zu unterlassen.
Revierinhaber mit stabilen Hasenbesätzen und geringen Fallwildzahlen können die Bejagung fortführen.
Meldungen und Dokumentation
Die Stadt Emden und die Emder Jägerschaft stehen in engem Austausch mit dem Veterinäramt Aurich, um die Situation laufend abzustimmen.
Wir bitten alle Jägerinnen und Jäger, verendete oder erkrankte Feldhasen im Tierfund-Kataster einzutragen – möglichst mit Foto und dem Hinweis „Verdacht auf Myxomatose“ im Anmerkungsfeld. Jede einzelne Meldung trägt dazu bei, das Ausmaß und den Verlauf des Seuchenzugs wissenschaftlich fundiert zu dokumentieren.
Sichtungen oder Funde von erkrankten oder toten Hasen in Emden können direkt an die Emder Jägerschaft gemeldet werden.
Hintergrund: 1952 wurde das Myxomavirus gezielt nach Frankreich und Australien eingeführt, um die Wildkaninchen zu dezimieren. Das Virus breitete sich innerhalb weniger Jahre in ganz Europa und Australien aus und reduzierte die Wildkaninchenbestände mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 90 Prozent.
Die neue Entwicklung bei Feldhasen begann 2018 auf der Iberischen Halbinsel: Durch eine Virusmutation gelang es dem Virus erstmals, massenhaft Iberische Feldhasen zu infizieren. Zuvor waren Hasen-Infektionen durch das klassische Myxomavirus sehr selten.
Im Herbst 2023 kam es dann zur sprunghaften Ausbreitung derselben Virusvariante (ha-MYXV) am Niederrhein. Wie genau die Übertragung stattfand, konnte nicht geklärt werden. Aufgrund dieser punktuellen Einschleppung ist eine menschengemachte Verschleppung am wahrscheinlichsten. Durch globalen Warentransport und Tourismus könnte das Virus über kontaminierte Materialien, infizierte Hasen oder Wildkaninchen verschleppt worden sein. Auch eine Übertragung durch infizierte Stechinsekten wäre möglich.
Zusammengefasst: Myxomatose bei Hasen und Kaninchen
- Kaninchenmyxomatose: Seit den 1950er-Jahren in Deutschland, befällt vor allem Wild- und Hauskaninchen.
- Hasenmyxomatose: Erstmals 2014 nachgewiesen, betrifft gezielt Feldhasen.
- Übertragung: Erfolgt durch Insektenstiche (z. B. Mücken, Flöhe) oder direkten Kontakt zwischen Tieren.
- Symptome: Geschwollene Augenlider, Knotenbildung, Apathie und schnelle Schwächung der Tiere.
- Gefahr für Menschen: Keine.
- Gefahr für Haustiere: Hauskaninchen können an der Kaninchenmyxomatose erkranken, sind aber nicht von der Hasenmyxomatose betroffen.