VW: Resolution des Rates der Stadt Emden

Der Rat der Stadt Emden hat in seiner Sitzung am Montag, den 24. August 2026 ein starkes Signal für den Erhalt des Werks gesetzt.

Lesen Sie hier die Resolution:

Zukunft des Volkswagen-Standortes Emden sichern Industrie stärken – Verantwortung übernehmen

Der Rat der Stadt Emden erklärt:

Volkswagen ist für Emden weit mehr als ein Unternehmen. Das Werk ist seit Jahrzehnten Motor unserer wirtschaftlichen Entwicklung, Garant für qualifizierte Arbeitsplätze und ein wesentlicher Bestandteil der Identität unserer Stadt. Tausende Menschen arbeiten unmittelbar im Werk, viele weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern, Handwerksbetrieben und im Handel in Ostfriesland sowie im Emder Hafen hängen unmittelbar oder mittelbar von einem starken Volkswagen-Standort Emden ab.

Die Zukunft von Volkswagen ist deshalb nicht nur eine unternehmerische Frage. Sie ist zugleich eine Zukunftsfrage für unsere Stadt, für Ostfriesland, für Niedersachsen und für den Industriestandort Deutschland.

Der Rat der Stadt Emden verfolgt die aktuelle Entwicklung des Volkswagen-Konzerns deshalb mit größter Sorge.

Die anhaltenden Diskussionen über weitere Sparprogramme, mögliche Standortentscheidungen und ausbleibende Zukunftsinvestitionen führen zu erheblicher Verunsicherung bei den Beschäftigten und ihren Familien. Sie schwächen zugleich das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in die Zukunft und Produkte des Unternehmens.

Diese Entwicklung fällt in eine Zeit, in der Deutschland insgesamt unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Die industrielle Wertschöpfung geht zurück, Investitionen werden zunehmend ins Ausland verlagert und Monat für Monat gehen in Deutschland tausende Industriearbeitsplätze verloren. Diese Entwicklung darf nicht zur neuen Normalität werden.

Deutschland ist ein Industrieland. Unser Wohlstand, unsere Innovationskraft und die Finanzierung unseres Sozialstaates beruhen maßgeblich auf einer starken industriellen Basis. Deshalb braucht unser Land gerade jetzt wieder eine entschlossene Industriepolitik, die Wettbewerbsfähigkeit stärkt, Investitionen ermöglicht und Unternehmen wie Beschäftigten langfristige Planungssicherheit gibt.

Das Werk Emden hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass Transformation gelingen kann. Als einer der ersten Standorte des Volkswagen-Konzerns wurde das Werk vollständig auf die Produktion batterieelektrischer Fahrzeuge umgestellt. Die Beschäftigten haben diesen tiefgreifenden Wandel mit außergewöhnlichem Engagement, hoher Flexibilität und großem Verantwortungsbewusstsein mitgetragen. Sie haben ihren Beitrag geleistet und Vertrauen in die Zukunft ihres Standortes gesetzt.

Dieses Vertrauen darf nicht enttäuscht werden.

Wer von Beschäftigten Veränderungsbereitschaft erwartet, muss selbst Verlässlichkeit zeigen. Getroffene Vereinbarungen müssen gelten. Zugesagte Investitionen müssen erfolgen. Zukunftsperspektiven müssen erkennbar sein.

Vor diesem Hintergrund richtet der Rat der Seehafenstadt Emden folgende Erwartungen und Forderungen an die Verantwortlichen:

1. Deutschland braucht wieder eine starke Industriepolitik

Der Rat der Seehafenstadt Emden fordert die Bundesregierung auf, die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland wieder zu einem zentralen Schwerpunkt ihres politischen Handelns zu machen.

Industriepolitik ist keine Politik für einzelne Unternehmen. Sie ist eine Investition in den Wohlstand unseres Landes. Deutschland braucht international wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie, eine leistungsfähige Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen.

Ebenso muss die Bundesregierung die Transformation der Automobilindustrie aktiv begleiten. Elektromobilität, Digitalisierung und klimaneutrale Produktion benötigen Planungssicherheit und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig müssen Zukunftsbranchen wie die Offshore-Windenergie konsequent gestärkt werden. Gerade Küstenstandorte wie Emden bieten die Chance, industrielle Wertschöpfung, Energiewende und neue Arbeitsplätze miteinander zu verbinden.

Industrie braucht in Deutschland wieder eine starke politische Stimme und eine erkennbare, ganzheitliche und klare Wirtschaftsstrategie.

2. Altersteilzeit ist ein bewährtes Instrument der Transformation

Mit großer Sorge nimmt der Rat die Überlegungen der Bundesregierung zur Kenntnis, das Blockmodell der Altersteilzeit abzuschaffen.

Gerade in Zeiten tiefgreifender industrieller Veränderungen wäre dies ein falsches Signal. Das Blockmodell hat sich über viele Jahre als wirksames Instrument erwiesen, um notwendige Veränderungsprozesse sozialverträglich zu gestalten. Es ermöglicht älteren Beschäftigten einen würdevollen Übergang in den Ruhestand und eröffnet gleichzeitig jungen Menschen neue Chancen auf qualifizierte Beschäftigung. Gerade Unternehmen im industriellen Wandel benötigen diese Flexibilität.

Der Rat appelliert deshalb eindringlich an die Bundesregierung, an diesem bewährten Instrument festzuhalten und den Sozialpartnern auch künftig die Möglichkeit zu geben, Transformation verantwortungsvoll und generationengerecht zu gestalten.

 3. Niedersachsen trägt besondere Verantwortung

Das Land Niedersachsen ist nicht nur Sitz bedeutender Volkswagen-Standorte, sondern auch Anteilseigner des Unternehmens und über seine Vertreterinnen und Vertreter im Aufsichtsrat unmittelbar an den strategischen Entscheidungen des Konzerns beteiligt.

Daraus erwächst eine besondere Verantwortung.

Der Rat erwartet, dass die Niedersächsische Landesregierung ihren Einfluss entschlossen nutzt, um den Erhalt aller niedersächsischen Volkswagen-Standorte zu sichern und notwendige Zukunftsinvestitionen aktiv einzufordern.

Dabei geht es nicht allein um den Erhalt bestehender Strukturen. Es geht um die Zukunft einer Schlüsselindustrie und um die Sicherung hunderttausender Arbeitsplätze in Niedersachsen. Die Landesregierung muss sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass Niedersachsen auch künftig das industrielle Herz des Volkswagen-Konzerns bleibt.

4. Europa muss seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit sichern

Die Zukunft der europäischen Automobilindustrie entscheidet sich nicht allein in den Unternehmen oder in den Mitgliedstaaten. Auch auf europäischer Ebene werden die Weichen für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Investitionen gestellt.

Der Rat der Seehafenstadt Emden appelliert deshalb an die Europäische Union und die Bundesregierung, ihre industriepolitischen Entscheidungen konsequent daran auszurichten, dass Klimaschutz, Innovation und industrielle Wertschöpfung gemeinsam gelingen können.

Die europäischen Hersteller stehen im internationalen Wettbewerb mit Unternehmen, die teilweise erheblich staatlich unterstützt werden. Deshalb braucht Europa faire Wettbewerbsbedingungen, eine innovationsfreundliche Regulierung und den entschlossenen Willen, seine Schlüsselindustrien zu stärken.

Dabei geht es nicht allein darum, dass Fahrzeuge auch künftig in Europa entwickelt und produziert werden. Entscheidend ist, dass möglichst große Teile der gesamten Wertschöpfungskette in Europa erhalten und neu aufgebaut werden. Gerade bei Elektrofahrzeugen entfällt ein erheblicher Teil der Wertschöpfung auf die Batterie und ihre Komponenten. Europa darf deshalb nicht zulassen, dass zentrale Technologien, Produktionsschritte und industrielle Kompetenzen dauerhaft außerhalb Europas angesiedelt werden und neue strategische Abhängigkeiten entstehen.

Technologische Souveränität und industrielle Wertschöpfung gehören zusammen. Europa muss deshalb gezielt die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Batterien, Schlüsselkomponenten und andere Zukunftstechnologien wettbewerbsfähig in Europa entwickelt und produziert werden können. Die Transformation der Automobilindustrie darf nicht dazu führen, dass wir zwar unsere Klimaziele erreichen, zugleich aber industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Kompetenz in andere Weltregionen verlagern.

Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Nur eine starke europäische Industrie wird dauerhaft in der Lage sein, die Transformation erfolgreich zu gestalten.

5. Der Volkswagen-Vorstand muss jetzt für Klarheit und Verlässlichkeit sorgen

Der Rat der Stadt Emden erkennt ausdrücklich an, dass sich Volkswagen in einer tiefgreifenden Phase der Transformation befindet. Veränderungen sind notwendig, um das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen.

Gerade deshalb braucht es jetzt klare Entscheidungen, nachvollziehbare Strategien und Verlässlichkeit gegenüber den Beschäftigten und den Standorten.

Der Rat erwartet vom Vorstand der Volkswagen AG,

  • die bestehenden Standortvereinbarungen uneingeschränkt einzuhalten,
  • den vereinbarten Zukunftspfad für das Werk Emden konsequent umzusetzen,
  • bei Erreichen der vereinbarten Ziele die zugesagten Folgeprodukte verbindlich dem Standort Emden zuzuweisen,
  • die seit Langem erwarteten Zukunftsinvestitionen unverzüglich freizugeben,
  • und den Standort Emden dauerhaft als leistungsfähigen Produktionsstandort innerhalb des Volkswagen-Konzerns weiterzuentwickeln.

Verträge schaffen Vertrauen. Wer von seinen Beschäftigten Einsatz, Flexibilität und Veränderungsbereitschaft erwartet, muss sich seinerseits an geschlossene Vereinbarungen halten.

Die Beschäftigten des Werkes Emden haben ihren Beitrag geleistet.

Jetzt erwarten sie zu Recht, dass auch das Unternehmen zu seinen Zusagen steht.

Darüber hinaus braucht Volkswagen jetzt vor allem eines: Ruhe und Klarheit.

Die seit Monaten anhaltenden öffentlichen Debatten über Werksschließungen, Einsparprogramme und neue Sparrunden belasten nicht nur die Beschäftigten. Sie beschädigen auch das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in die Zukunft der Marke Volkswagen.

Ein Unternehmen, das Vertrauen in ein Auto verkaufen möchte, muss selbst Vertrauen schaffen.

6. Der Aufsichtsrat muss seiner Verantwortung gerecht werden

Der Aufsichtsrat trägt Verantwortung für die langfristige Entwicklung des Unternehmens. Der Rat der Stadt Emden erwartet deshalb, dass die Mitglieder des Aufsichtsrates ihre Entscheidungen nicht allein an kurzfristigen wirtschaftlichen Kennzahlen ausrichten, sondern an der nachhaltigen Zukunftsfähigkeit des Konzerns.

Dazu gehören Investitionen in moderne Produktionsstandorte ebenso wie der Erhalt industrieller Kompetenz in Deutschland.

Gerade jetzt braucht Volkswagen einen Aufsichtsrat, der strategische Weichen stellt und Vertrauen schafft.

7. Eigentum verpflichtet

Volkswagen ist eines der bedeutendsten Industrieunternehmen Europas.

Sein Erfolg beruht auf unternehmerischer Weitsicht, technischer Innovationskraft und vor allem auf der Arbeit vieler Generationen engagierter Beschäftigter.

Der Rat appelliert deshalb an die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, ihrer besonderen Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens gerecht zu werden.

Gerade Familienunternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie langfristig denken und Verantwortung über Generationen hinweg übernehmen.

Diese Haltung hat Volkswagen groß gemacht.

Der Rat erwartet deshalb, dass langfristige Stabilität, Investitionen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens Vorrang vor kurzfristigen Renditeerwartungen erhalten.

8. Sozialpartnerschaft bleibt ein Erfolgsmodell

Volkswagen ist über Jahrzehnte auch deshalb erfolgreich gewesen, weil das Unternehmen von einer starken Sozialpartnerschaft geprägt wurde.

Der konstruktive Dialog zwischen Unternehmensleitung, Betriebsrat und Gewerkschaften hat wesentlich dazu beigetragen, wirtschaftliche Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.

Der Rat appelliert deshalb an Vorstand diesen Kurs wieder aufzunehmen.

Gerade jetzt braucht Volkswagen ein gemeinsames Bündnis für Zukunft und Arbeit.

Nur wenn wirtschaftliche Vernunft und soziale Verantwortung miteinander verbunden werden, kann es gelingen, die Zukunft des Unternehmens nachhaltig zu sichern.

9. Emden steht zu seinem Volkswagen-Werk

Der Rat der Stadt Emden bekennt sich uneingeschränkt zum Volkswagen-Standort Emden.

Das Werk ist seit Jahrzehnten ein wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Stärke unserer Stadt und weit darüber hinaus ein bedeutender Pfeiler der industriellen Wertschöpfung in Niedersachsen.

Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass sie bereit sind, Veränderungen anzunehmen und Zukunft aktiv zu gestalten. Sie haben den Wandel zur Elektromobilität mitgetragen, neue Produktionsprozesse aufgebaut und den Standort erfolgreich in eine neue Ära geführt.

Dieses Engagement verdient Respekt.

Es verdient Anerkennung.

Vor allem aber verdient es Verlässlichkeit.

Der Rat erwartet deshalb, dass der Standort Emden auch künftig eine zentrale Rolle innerhalb des Volkswagen-Konzerns einnimmt.

Dazu gehören die konsequente Umsetzung bestehender Vereinbarungen, die Übertragung neuer Fahrzeugprojekte, die Freigabe notwendiger Zukunftsinvestitionen und ein klares Bekenntnis zum langfristigen Erhalt des Standortes.

Der Standort Emden hat seine Zukunftsfähigkeit bewiesen.

Jetzt braucht er die Entscheidungen, die dieser Leistung gerecht werden.

10. Gemeinsame Verantwortung für die Zukunft

Die Herausforderungen, vor denen Volkswagen steht, lassen sich nicht von einer Seite allein lösen.

Sie verlangen Verantwortungsbewusstsein, Weitsicht und die Bereitschaft aller Beteiligten, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

Unternehmen müssen investieren.

Eigentümer müssen Verantwortung übernehmen.

Sozialpartner müssen den Dialog fortsetzen.

Nur wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten, kann Volkswagen auch künftig ein Symbol deutscher Innovationskraft und industrieller Stärke bleiben.

 

Schlusserklärung des Rates der Seehafenstadt Emden

Mit dieser Resolution erklärt der Rat der Stadt Emden seine uneingeschränkte Solidarität mit den Beschäftigten des Volkswagen-Werkes Emden, ihren Familien sowie den zahlreichen Unternehmen, deren wirtschaftliche Entwicklung eng mit dem Standort verbunden ist.

Die Menschen in unserem Werk haben ihren Beitrag geleistet.

Sie haben Veränderungen angenommen.

Sie haben Verantwortung übernommen.

Sie haben den Wandel zur Elektromobilität erfolgreich gestaltet.

Sie haben Vertrauen in die Zukunft ihres Unternehmens gesetzt.

Jetzt erwarten sie zu Recht, dass auch diejenigen ihrer Verantwortung gerecht werden, die über die Zukunft des Konzerns entscheiden.

Der Rat der Seehafenstadt Emden ist überzeugt:

Deutschland braucht eine starke Industrie.

Niedersachsen braucht ein starkes Volkswagen.

Volkswagen braucht starke Standorte.

Und starke Standorte brauchen Verlässlichkeit.

Gerade in Zeiten großer wirtschaftlicher Veränderungen entstehen Zukunft und Vertrauen nicht durch immer neue Diskussionen über Einsparungen oder Standortschließungen.

Sie entstehen durch klare Entscheidungen, durch Investitionen und durch den festen Willen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Volkswagen ist mehr als eine Marke.

Volkswagen ist für Millionen Menschen Arbeitgeber, wirtschaftliche Perspektive und Teil ihrer Lebensgeschichte.

Für Emden gilt das in besonderer Weise.

Deshalb richtet der Rat der Seehafenstadt Emden einen eindringlichen Appell an alle Verantwortlichen:

Stehen Sie zu den Menschen, die dieses Unternehmen über Jahrzehnte erfolgreich gemacht haben.

Stehen Sie zu den Standorten, die den Wandel mitgetragen haben.

Stehen Sie zu den Vereinbarungen, die Vertrauen geschaffen haben.

Und treffen Sie jetzt die Entscheidungen, die Volkswagen braucht, um auch künftig ein Synonym für Qualität, Innovation und industrielle Stärke zu sein.

Der Standort Emden ist bereit.

Die Beschäftigten sind bereit.

Ostfriesland steht geschlossen hinter seinem Werk.

Jetzt ist die Zeit, Verantwortung zu übernehmen.