Installationen der Aktion „Kunst im öffentlichen Raum“ haben schwere Beschädigungen erlitten.
Die Installationen der Aktion „Kunst im öffentlichen Raum“ wurden mit ausgeschiedenen Möbeln aus dem Bestand der Stadt Emden vorgenommen. Sie wurden mit Beschriftungen aus Originalquellen der NS-Zeit versehen: „Judenmöbel“ und „Hollandgut“. An zentralen Orten Emdens stehen diese Kunstwerke für die Dauer der Sonderausstellung „Komplizenschaft“, zu sehen bis zum 14.11.2021 am Ostfriesischen Landesmuseum Emden. Hinweistexte auf den Möbelstücken verweisen auf die Sonderausstellung sowie auf weitere Informationskanäle des Landesmuseums.
Der Kontext dieser Kunstaktion ist die Geschichte eines großen Verbrechens. Es waren über 8000 Waggonladungen mit Wohnungsinventar vertriebener und ermordeter Menschen, die zwischen 1942 und 1944 geraubt und aus den Niederlanden in das westliche Niedersachsen gebracht wurden. Hier im Norden waren es vor allem die Kommunen Cloppenburg, Jever, Oldenburg und Emden, in denen große Lager mit diesen gestohlenen Gegenständen angelegt wurden. Der größte Teil des Raubgutes fand sich aber bald in privaten deutschen Haushalten wieder. Diese Geschichte ist immer noch zu großen Teilen verschleiert und nicht aufgearbeitet, da diese Möbel mit „alternativen Geschichten“ wie „1945 am Wegesrand gefunden.“ ausgestattet wurden. Daher erfolgte diese Möbelinstallation im öffentlichen Raum, um diese Geschichte in den Alltag der Menschen zu bringen.
Fünf der sieben im öffentlichen Raum platzierten Möbel haben während der einmonatigen Laufzeit der Aktion Beschädigungen erfahren. Ausgesprochen rigoros traf es die Möbelstücke am Stadtgarten und auf dem Wall. Diese Kunstwerke im öffentlichen Raum sind Zeugnisse der Auseinandersetzung von Kunst und Geschichte. Sie wurden zu Zwecken einer publiken Auseinandersetzung im öffentlichen Raum installiert. Erst durch diese Auseinandersetzung werden die Kunstwerke zu Kunstwerken.
Das Planungsteam der Aktion „Kunst im öffentlichen Raum“ hat folglich mit derartigen Beschädigungen und Reaktionen gerechnet und betrachtet diese als notwendigen Teil des Kunstkonzepts. „Kunst im öffentlichen Raum“ greift mit der Aktion aktiv in die Kulturwelt Emdens ein, um Fragen aufzuwerfen, Denkräume zu schaffen und thematische Auseinandersetzungen zu forcieren.


