In einer Pressekonferenz hat die Stadt Emden ein zweiteiliges Strategiekonzept zur Sicherung der Raumqualität in den Schulräumen der Jahrgänge 1 bis 6 und in den Bewegungsräumen der Kitas vorgestellt. Das Motto lautet "Kids first". Oberstes Ziel ist, den Präsenzunterricht für Schüler*innen zu gewährleisten.
Grundsätzlich begrüßt die Stadt Emden die Entscheidung des Landes Niedersachsen, Techniken zur Verbesserung der Raumluftqualität zu fördern. Das Vorgehen des Landes, dieses kurz vor den Sommerferien ohne vorherige Beteiligung und Mitwirkung der Schulträger öffentlich anzukündigen, kritisiert die Stadt Emden gemeinsam mit weiteren niedersächsischen Städten. Die dadurch öffentlich geweckten Erwartungen, zum Beginn des nächsten Schuljahres am 2. September 2021 entsprechende Installationen in den Schulräumen vorzuhalten, erhöht den zeitlichen und finanziellen Druck auf die örtlichen Schulträger in einem erheblichen Umfang. Allen Beteiligten muss klar sein, dass feste raumtechnische Anlagen weder technisch noch sachlogisch in einer solch kurzen Frist zu verbauen sind. Gleichwohl hat sich die Stadt Emden auf die Erfordernisse vorbereitet und entsprechende Vorüberlegungen getroffen.
Seit mehr als einem Jahr leben wir mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie, deren Verordnungen zum Schutz unserer Gesundheit und des Gesundheitssystems unseren Alltag massiv beeinflussen. Zwar sind mehr als ein Drittel aller Emderinnen und Emder (rund 22.000) - gemäß unseres Mottos "Emden lässt sich impfen" - vollständig gegen das Virus geimpft. Die Verwaltung bietet zurdem durch die "Impfungen im Quartier", das terminlose Impfen freitags im Impfzentrum und den Impftruck, viele barrierearme Möglichkeiten, sich impfen zu lassen. Kinder bis zum Alter von 12 Jahren haben derzeit aber keine Perspektive auf eine Impfung, weil für die noch kein Impfstoff zugelassen ist.
Mobile Lüftungsgeräte und Raumlufttestgeräte sollen angeschafft werden
Für die Stadt Emden bleibt es oberstes Ziel, die größtmögliche Präsenz von Schüler*innen in den Schulen zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, steht für uns die Sicherheit von Schüler*innen und Lehrer*innen, an höchster Stelle. Deshalb sind aus städtischer Sicht die Corona-Infektionsgefahren auf das Möglichste zu minimieren. Zum Schutz der Schüler*innen der Grundschulen schlägt Oberbürgermeister Tim Kruithoff die Anschaffung entsprechender mobiler Lüftungstechniken und Raumlufttestgeräte vor.
In Kooperation mit dem Gebäudemanagement hat sich die Stadt Emden intensiv mit der Thematik beschäftigt und ein Konzept dazu erarbeitet. Im Vordergrund stand dabei das Ziel, die Klassenräume kurzfristig mit geeigneten Techniken zur Verbesserung der Raumluftqualität auszustatten. Betrachtet man in Emden die Jahrgänge 1 – 6, sind betroffen: 10 Grundschulen, 3 Oberschulen, 1 IGS, 2 Gymnasien mit insgesamt 405 und Schulräumen, die sich wie folgt aufteilen:
- Allgemeine Unterrichtsräume (AUR) 153
- Gruppenräume 81
- Fachunterrichtsräume (FUR) 125
- Sammulungsräume für FUR 46
Die Klassenräume werden am meisten genutzt, so dass diese zunächst im Focus der Betrachtung stehen. Es ist auch zu beachten, dass die Ausstattung mit entsprechenden Geräten für die Räume der Jahrgänge 1 - 6 angedacht werden sollte, die nicht oder kaum gelüftet werden können und dementsprechend vom Land Niedersachsen sowie vom Bund mit bis zu 80 Prozent gefördert werden können. Nicht oder kaum zu lüften sind insbesondere die Räume oberhalb des Erdgeschosses, da ihre Fenster aus Sicherheitsgründen nur gekippt zu öffnen sind. Das betrifft ca. 85 Unterrichtsräume (AUR).
Auf der technischen Seite waren folgende Punkte zu berücksichtigen:
1. Kurzfristige Installation, die multiple und einfach in den Klassenräumen einsetzbar sind.
2. Nutzung von vorhandener Infrastruktur, z.B. vorhandener Steckdosen
3. Niedrige Geräuschentwicklung, also unter 35 dB
4. Thermische Frage, d.h. keine reine Kaltluftzufuhr im Winter • Da die Klassenräume sonst permanent kalt sind
5. Erreichen von mindestens 5 bis 6facher Luftwechselrate
6. Luftströmungen an den einzelnen Sitzplätzen vermeiden
Herausgekommen ist ein zweiteiliges Strategiekonzept, das zum einen unverzüglich zum kommenden Herbst umgesetzt werden kann, und zum anderen eine längerfristige grundsätzliche Ausstattung beinhaltet.
Erstens: Kurzfristige Umsetzung zum kommenden Jahr
Lüften - Testen - Filtern
Lüften
Grundsätzlich gilt: Das regelmäßige Lüften der Räume über das Öffnen von Fenstern (20-5-20) ist nicht zu ersetzen! Alle technischen Maßnahmen sind als ergänzende Maßnahmen zu verstehen! Die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt empfiehlt bei Unterrichtseinheiten auch während des Unterrichts zu lüften. Mit durchgängig weit geöffneten Fenstern im Sommer lässt sich die Infektionsgefahr vergleichsweise einfach senken.
Testen
Die Luftqualität ist von verschiedenen Faktoren abhängig. So beeinflussen z. B. die Raumtemperatur oder auch die vorherigen Aktivitäten der im Raum anwesenden Personen (z.B. Sport) die Qualität der Raumluft. Um das Lüften passgenau steuern zu können, will die Stadt alle allgemeinen Unterrichtsräume (AUR) und Fachunterrichtsräume mit Raumlufttestgeräten ausstatten.
Filtern
Im Herbst und Winter ist manuelles Lüften mit dem erforderlichen Frischluftaustausch jedoch nicht mehr durchgehend realisierbar. Einerseits wegen der niedrigen Temperaturen und damit verbundener Erkältungsgefahr, andererseits aus wirtschaftlichen Gründen wegen des massiven Verlusts von Wärmeenergie. Da fest installierte Lufttauscher in Fenstern oder Wänden zum einen sehr laut sind, und zum anderen eine kurzfristige Installation nicht umsetzbar ist, möchte die Verwaltung Mobile-Stand-Filter-Geräte in guter Qualität anschaffen.
Nach eingehender Überprüfung werden von der technischen Seite UV-C Geräte favorisiert, weil sie folgende Vorteile haben:
- 99,995% der Viren werden erwischt
- Geringe Wartung
- Keine Thermik
- Lautstärke unter 35 dB
- Geeignet zur Filterung von ca. 350m³
Pro Klassenraum sollen zwei Filtergeräte installiert werden, um so einen bis zu fünffachen Luftwechsel pro Stunde im jeweiligen Raum zu realisieren. Die Konzentration an potenziell virushaltigen Aerosolen und damit das Ansteckungsrisiko wird mit diesen Filtersystemen deutlich verringert. Entsprechende Testate liegen uns vor. Eine Anpassung der Heizung der Räume ist nicht erforderlich, die Räume bleiben wie gewohnt weiterhin warm.
Kosten
für Teil I des Raumluftkonzeptes zur schnellen kurzfristigen Umsetzung zum kommenden Schuljahr in den Räumen der Jahrgänge 1 – 6:
Raumlufttester für alle AUR und FUR: ca. 28.000 €
UV-C Filtergeräte: ca. 144.000 €
Gesamtkosten: 172.000 €
Bei einer 80%igen Förderung: Eigenanteil Stadt Emden ca. 34.400 €
Diesen Mittel können aus Haushaltsresten zur Verfügung gestellt werden.
Falls also die angekündigte Förderrichtlinie des Landes kommt, kann seitens der Stadt Emden unverzüglich mit der Umsetzung begonnen werden. Ob die Geräte bis zum Schuljahresbeginn angeschafft werden können, hängt also davon ab, ob und wann die Förderrichtlinie in Kraft tritt, und Anträge gestellt werden können.
Zweitens: Nachhaltiger Ausbau der Raumlufttechnik
Um nachhaltig die Schulen im Rahmen der Raumluftqualität zu ertüchtigen, schlägt die Verwaltung folgende längerfristige Maßnahmen ab Jahresbeginn 2022 vor:
Die Verwaltung empfiehlt, dass im Budget des Gebäudemanagements ab 2022 ein Ansatz von 100.000 € eingeplant wird. In Kooperation mit den Schulen und der Schulverwaltung wird dazu ein erstes Umsetzungskonzept 2022 bis zum Winter/Jahreswechsel erstellt. Ein Teil des Ansatzes soll dafür eingesetzt werden, bestehende Anlagen umzurüsten beziheungsweise zu erweitern, ein Teil soll zu Neuanschaffungen im Rahmen der entsprechenden Fördermöglichkeiten verwendet werden.
Dieses betrifft vorrangig alle Klassenräumen sowie größeren Schulräume, wie z.B. Lehrerzimmer. Die Kosten liegen bei ca. 15.000 – 20.000 € pro Raum, so dass dieses Vorhaben nur mit entsprechenden Förderungen von Bund und/oder Land zu realisieren ist. Um die Raumluftqualität in den Fachunterrichtsräumen und Gruppenräumen zu sichern, werden die so freiwerdenden Filtergeräte nach und nach in diesen Räumen eingebracht werden.
Kindertagesstätten
Was für die Schüler*innen der Klassen 1 bis 6 gilt, das gilt auch für die Kinder in den Kitas. Sicherheit und Präsenz sind auch hier die obersten Ziele. Deshalb stehen auch hier die Gruppenräume oberhalb des Erdgeschosses sowie innenliegende Bewegungsräume, lange Flure im Fokus. Diese Räume möchten wir auch hier in einem ersten Schritt mit Lüftungstechnik und Testgeräten ausstatten. Dazu sind aber weitere konkrete Absprachen mit den Träger und Einrichtungen, die zum Teil zur Zeit Betriebsferien haben, notwendig. Oberbürgermeister Tim Kruithoff dazu: "Für die Ausstattung der Kitas ist derzeit noch keine Förderung in Sicht, aber wir werden die Bewegungsräume der Kitas trotzdem mit Lüftungsgeräten und Raumlufttestgeräten getreu unseres Mottos "Kids first" ausstatten. Finanziell ist dies durch ein Sponsoring der Sparkasse Emden und der Stadtwerke unter anderem möglich. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken."